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Schiller

Stadthalle Bremerhaven am 08.02.2011

Mein Name ist Christoph von Weylen, ich bin Schiller. Wenn all die Qualen meiner Generation, welche wir durch Acid, Rave und Tekkno erfahren mussten, der Preis für diese Klangwelten gewesen sein sollten, so war jeder Besuch einer Dorfdisko seinen Eintritt wert. Mal fühlt man sich in Mitten der magischen Rhythmen des Marakesh Night Market. Dann wieder schießen die Töne wie aus Sphären durch den Raum. Im Spiel aus Licht und Farben, mit der Rhythmik eines Uhrwerkes und der Haptik einer A380, schreiten die Stücke riesengleich durch die Halle. Mit jedem Schritt das Erstaunen der Zuschauer absorbierend, Schiller hat etwas Ergreifendes, etwas Glorioses. Soweit die emotionale Betrachtung des Konzerts in der Bremerhavener Stadthalle.

Doch es gibt auch eine andere Sicht auf den Abend, nicht ganz so wohlwollend, so feinfühlig:
Die ersten Stücke glänzten im sauberen Quadrophonie-Sound. Da schwebte der Klang durch die Zuschauerreihen, sauber, klar und präzise. Gerade bei dieser Art Musik wirkt es besonders inspirierend. Doch dann verflachte die Akustik brachial. Schon vorher staunte man über die dezente Technik, denn nur drei Bassboxen pro Seite sowie überschaubare Hoch- und Mittelton-Girlanden beschallten die Stadthalle Bremerhaven. Klappte auch wunderbar, ja wirklich wunderbar, bis es den Mann am Mischpult überkam. Ob auf Geheiss oder eigenem Antrieb ist nicht bekannt, aber mit „kleinem Besteck“ einen Mördersound lostreten zu wollen, klappt schon im Serien-Golf mit Werksanlage nicht. Ähnlich verhielt es sich leider nach den ersten Songs. Eher laut als klar ergossen die folgenden Stücke bis zur Pause über die Besucher.

Pause? Ja wirklich – es gab eine Pause!
Als echter Stimmungskiller wurde nach einer Stunde die Besucherschar zu den Getränketheken geschickt. Ob diese Aktion die Miete reduzierte, kann nur spekuliert werden. Auf jeden Fall waren die Meinungen in der Pause sehr gespalten. Scheinbar hatte man versucht, mit dem Equipment, welches für wesentlich kleinere Hallen gereicht hatte, nun über 2000 Besucher akustisch zu verwöhnen. Dieses Experiment war eindeutig fehlgeschlagen – so die Meinung vieler Besucher, die nicht nur dem Kultstatus sondern auch dem Klangerlebnis wegen dabei waren.

Nach der Pause ging es dann mit den bekannteren Titeln weiter und endete in der albernen Nummer von „wir gehen von der Bühne“ und spendieren dem begeistertem Publikum eine weitere Zugabe. Spätestens hier war den meisten Besuchern klar, dass ein komplettes Programm ohne „Bettel-Beifall“ wie bei klassischen Konzerten die bessere Alternative gewesen wäre.

Aber scheinbar braucht Schiller mittlerweile diese Offerten der zahlenden Besucher, um die erfolgreichen Hits spielen zu können. Frage ist, wie lange die Fans noch bereit sind, dies so zu akzeptieren.

Aber eines stimmte mich wirklich glücklich: Ich hatte einen Platz in den hinteren Reihen, denn die Besucher der vorderen Plätze wurden fast durchgehend von den Scheinwerfern geblendet, welche die vier Musiker von hinten beleuchteten. Warum man die Akteure von oben hinten anstrahlt? Keine Ahnung, aber zu sehen war nicht wirklich viel, wie auch den Fotos zu entnehmen ist.