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BAP

Pier 2 am 31.03.2009

Über der Bühne prangert die 3D-Projektion eines alten Lederkoffers mit integriertem MONO-Lautsprecher. Die erste Frage die sich mir aufdrängt ist – ist BAP wirklich schon so antik wie dieses Relikt? Wohl kaum, knapp 1000 Gäste waren erschienen um der Öffnung von Pandoras Radio bei zu wohnen. Die musikalische Untermalung vor dem Konzert wird von den Größen der 50er und 60er Jahre geziert. Bill Haley und Elvis Presley sind zu vernehmen, rhythmische Bewegung durchströmt den Raum, nahezu niemand steht still. Das Publikum deckt das Spektrum von 18 bis Ende 60, Niedecken selbst trägt seine annähernd 6 Dekaden wie eine seiner unzähligen Ketten am Hals, war er doch tags zuvor grade auf 58 Lenze gereift. Antik? Sicher nicht, erdig und abgeklärt. Laut, direkt und ohne Erbarmen, ja - BAP wissen, was das Publikum von ihnen erwartet, seit mehr als 30 Jahren.

Sie sind beständig, wie dieser alte Lederkoffer und der Monolautsprecher, der bis in die Magengrube fährt, während der Gegenwärtige „Plastikpipipop“ grade mal ein wenig am Gaumen kitzelt. Lieber ein Monolautsprecher an einem soliden Röhrenverstärker, als einen dieser quäkenden Plastikwürfel, die nicht ihren Produktionsaufwand wert sind. Wenn die 5 Mannen aus der Dom-Stadt dann die Bühne entern, zerplatzen all diese Gedanken wie Seifenblasen. Sie öffnen das „Radio Pandora“ und heraus kommt 100% BAP!

Beim Titelgeber des letzten Studioalbums „Hühr zo, Pandora“ taucht das Meer der Zuschauer zum Refrain in gleißend rotes Licht. Während Textverse vom Mythos der schönen Verdammnis die Bühnenrückwand herauflaufen, ist schlagartig Gänsehaut da, die Einem anzeigt, dass man hier genau richtig ist. Niedecken erzählt davon, dass es in diesem Konzert um Songs geht, die mit Reisen und Träumen zu tun haben. Er macht das sehr plastisch und dennoch eloquent, der Poet und der betroffene Mensch wohnen beide in seiner selben Brust. Schöne Themen, die mit Marokko „Wolf un Skorpion“ und den Philippinen “Sichel vum Mohnd“ verbunden sind, ernste Themen, welche er noch deutlicher bezeichnet, wie die Sinnlosigkeit des Falkland-Krieges „Diego Paz wohr nüngzehn“ und die markerschütternde Geschichte von den Kindern Ugandas, die Nachts zu Tausenden in die Städte flüchten, um nicht entführt und zu Kindersoldaten geformt zu werden „Noh Gulu“. „Das ist aber ein ganz schön ernstes Konzert“ raunt die Frau links von mir ihrem Begleiter zu, „hmm“ gibt dieser betroffen wieder. Niedecken ist eben ein unbequemer Gastgeber, der mitteilt, was ihn bewegt und antreibt, der sagt was ihn berührt und das ist gut so. Ein Wechselbad von Sehnsucht und Betroffenheit regnet von der Bühne in die Köpfe, an den Schultern entlang und umschließt die Herzen der Zuschauer, plötzlich weiß jeder im Saal warum er hier ist.

Der Frontmann der „Kölsche Jrupp“ wandelt sich immer mehr zu seinem großen Idol Bob Dylan. „Wenn die romantischen Lieder gespielt werden, halten die Menschen heute ihre Handy‘s hoch um ihren Lieben, die auf die Kinder und Enkel aufpassen müssen etwas von dem Moment zu schenken. Früher hat man da immer Wunderkerzen hochgehalten“ bemerkt er, einige Blitze von den Handykameras zollen ihm Bestätigung. Niedecken bedankt sich dafür, das es immer noch OK ist, das er in seiner Muttersprache singt. Im Publikum vermischen sich Designer Brillen und Pferdeschwänze, „Jack Wolfskin“ Jacken und Wollschaals, als von „Kölschen Mantras“ als Lebensgrundlage berichtet und durch „Aff un zo“ und „Et ess, wie’t ess“ untermauert wird. Plötzlich liegen sich grinsende und lächelnde Menschen in den Armen – BAP macht eben auch glücklich, ganz ohne Nebenwirkungen.

Die Band hat den großen Wandel gut überstanden, kaum zu hören, dass neben Niedecken selbst nur noch Drummer Jürgen Zöller zum „Alteisen“ der Formation gehört. „Gitarrero“ Helmut Krumminga muss den Vergleich mit „Major“ Heuser nicht scheuen, Tastenmann Michael Nass füllt die Lücken virtuos und zeigt nebenher seine Qualitäten als Animateur. Werner Kopal fundamentiert seine Versiertheit mit einem fantastischen Bassolo in der Rory Gallager Hymne „Millionen Meilen“ in die Magengruben der begeisterten Gäste. Anne de Wolff füllt mit ihrer Violine und ihrer Stimme als „offizieller“ Gast.

Am Ende des Abends steht ein gelungener Frühlingsabend unter „kölscher“ Reiseleitung, auf dem weder „Kristallnaach“ noch „Verdamp lang her“ fehlen. Klatschende und glückliche Menschen wandern beseelt heim, während eine Hand voll Musiker fern ihrer Heimat zu neuen Zielen aufbrechen um ihre besondere Sprache vor dem Aussterben zu bewahren, danke BAP!